Kommentar zu „Unterscheidung“ https://www.carl-auer.de/magazin/das-anhalten-der-welt/die-unterscheidung

Die Diskussion wird immer substanzieller, denn jetzt geht’s ans Eingemachte!

Der von Steffen Roth anvisierte „erweiterte Marktbegriff“ wurde von Fritz B. Simon dem Stressest gesellschaftlicher Wirklichkeiten ausgesetzt und musste so scheitern.

Aber „vielleicht habe ich auch Roth falsch verstanden“, fragt der vielbewährte Unternehmensgründer Fritz B. Simon zu Ende seines Beitrags.

Der Begriff Markt als Umwelt verschiedenster Entscheidungssysteme muss missverstanden werden.

Handelt es sich bei Roth um den Markt, und nicht eher um die strukturellen Ähnlichkeiten generalisierter Kommunikationsmedien wie Macht in der Politik, Geld in der Wirtschaft, Wahrheit in der Wissenschaft, Schönheit in der Kunst, Glauben in der Religion ……?

Und hat sich in der Coronazeit nicht gezeigt, dass genau diese Zuweisungen und damit deren Vergleichbarkeiten aus dem Gleichgewicht geraten sind?

Zur Religion: Giorgio Agamben hat in seinem NZZ Artikel vom 20. Juli 2020 deutlich gemacht, dass die Kirchen längst nicht mehr auf Religion hin angesprochen werden können. Ja, die Kirchen selbst haben in der Kernphase von Corona abgelehnt, für das zuständig zu sein, was ihre Aufgabe ist: der Dienst am Nächsten aus Demut (vor dem „Höchsten“)!

Zur Wissenschaft:

Ich habe da nur eine Ahnung, zu deren Ausdifferenzierung fehlen mir medizinisches Wissen und naturwissenschaftliche Fachkenntnis, aber dem Beobachter kommt es vor, als hätte sich in der Diskussion um das Virus und seiner Wirkung auf die Menschen, eine Kluft zwischen medizinischer Empirie und molekularer Biochemie aufgetan, die sich als ein Generationenkonflikt unter den Wissenschaftlern darstellt und der entfernt an den alten Konflikt zwischen Naturheilverfahren und Schulmedizin erinnert, welcher durch neue atomar molekulare Methoden sich verstärkt hat.

Diese scheinbar nicht oder zu wenig geführte Diskussion innerhalb der Wissenschaften verstärkte die riesige Kluft zwischen der exponentiellen Zunahme atomar molekular und datengestützter Kenntnisse und der gleichzeitigen Notwendigkeit, so einfache praktische Fragen beantworten zu müssen wie: „ Welche differenzierten Maßnahmen sollten ergriffen werden, um die Wirkung des Virus einzudämmen?“

( Wieso müssen alle Kindergärten, Schulen geschlossen die meisten Behörden, alle anderen medizinischen Tätigkeiten weitgehend ausgesetzt werden, aber der Polizeistaat hochgefahren werden?)

Das zuviel an Staat, auf das Steffen Roth immer wieder hinweist, hat genau in diesem wissenschaftsinternen Versagen seine Ursache und hat auch an dem offensichtlichem „ Sinnzwang“ während Corona seinen Anteil.

Anders gesagt, die Anwendung der Wissenschaft insbesondere der Naturwissenschaften und der Mathematik auf das Leben der Menschen ist und war nicht die Stärke dieser Wissenschaften! ( wurde in der Frage der Atomkraft auch schon deutlich)

Der Soziologie müsste auch zu denken geben, wieso nach (bzw. noch in) der Coronakrise, es zu so vehementen Demonstrationen gegen Rassismus und zu den Ausschreitungen gegen die Polizei, wie in Stuttgart kam.

Vor Corona (- vor Gott) sind wir nicht alle Gleich, im Gegenteil, das Wissen um Ungleichheit hat sich verstärkt und die Illusion einer endgültigen Inklusion erscheint lächerlich. (Der Heuwagen von Bosch im letzten Kommentar zeigte, wie alt die Kenntnis um diese Illusion ist)

Charly Chaplin, der Clown, Künstler und „der ewige Jude“ hat es auch gewusst: „Gleich in den ersten Filmen stellt Chaplin dar, wie der kleine Mann unausweichlich immer in Konflikt gerät mit den Hütern von Gesetz und Ordnung, den Repräsentanten der Gesellschaft.“*

*Hannah Arendt in „Wir Juden“ Schriften 1932 bis 1966, Piper

Bild aus „The Kid“ Charly Chaplin 1921

Zitate:

Heiko Kleve:

„Dass die eine Weltgesellschaft spürbarer war als vielleicht jemals zuvor in den letzten Jahrzehnten zeigte sich paradoxerweise durch die körperliche und räumliche Separierung in den Zeiten des Pandemie-Lockdowns. „

Steffen Roth :„Eine solche multifunktionale Perspektive auf den Markt liegt implizit auch zugrunde, wenn die UNESCO das Markttreiben auf demel Fna al immaterielles Weltkulturerbe der Menschheit unter «Sozialschutz» stellt, und das ausdrücklich, um Marrakeschs zentralen Marktplatz vor Ökonomisierung zu schützen:

Warum sollten sich Märkte dann nicht auch ebenso selektiv wie trennscharf funktional differenzieren lassen?“

Simon B. Fritz:

„Ich halte die Form des Marktes einfach als Mittel zur Lösung manch gesellschaftlicher Probleme für idiotisch.

— das politische System folgt m.E. ja eh schon zu einem großen Teil einer Marktlogik).

obwohl auch die Reduzierung sozialer Beziehungen auf die Rollen des Zahlers und Zahlungsempfängers eine nicht angemessene Komplexitätsreduktion darstellen würde.

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